#17 Wie Du Angst in Vertrauen und Liebe shiften kannst

Aktualisiert: 4. Okt. 2021

...und gelassener bleibst.

✨ Warum wir manchmal in Alltagssituationen Überlebensangst haben

✨ Wo Angst her kommt

✨ Warum Du Angst auch mögen darfst

✨ Welches Mittel gegen Angst gewachsen ist

✨ Mit welcher einfachen Übung Du sofort aus der Angst heraus kommst



Wann hattest Du das letzte Mal Angst? Welche Situationen bereiten Dir immer wieder Angst? Und was tust Du, damit sie wieder geht?



Angst ist ein ganz natürlicher Zustand, sogar sehr natürlich, denn Angst hat die Funktion, dass sie uns vor Gefahren schützt. Zu Anfängen unserer Zeit hat sie uns dazu gebracht entweder weg zu laufen oder anzugreifen, wenn uns in der Wildnis etwas mit dem Leben bedrohte. Was gut und nötig war, wenn man überleben wollte.


Auch heute hilft uns Angst dabei, wenn wir über die Strasse wollen oder an einer Klippe stehen, damit wir vorsichtig sind. Sie hält uns zurück, wenn wir etwas tun, was gefährlich sein könnte.


Was sich verändert hat, ist, dass wir keine lebensbedrohlichen Tiere mehr um uns haben (nicht mehr in Europa). Wir reagieren aber auch im Alltag dennoch in Situationen so, als ob unser Leben davon abhängt, auch wenn das gar nicht der Fall ist. In manchen davon hilft uns der Adrenalin-Push, den uns Angst gibt dabei unfassbares zu meistern. In anderen Situationen blockiert sie aber auch, lähmt oder macht uns klein.



Wer kennt das nicht?



Ich habe z.B. immer wieder Angst in Beziehungen, wenn bei mir ein Kindheitsschmerz getriggert wird. Ich habe Trennungen aber auch Situationen innerhalb einer Beziehung erlebt, wo ich wirklich dachte, ich sterbe, weil meine Angst vor dem Verlassen-Sein, dem Glaubenssatz "Ich bin wertlos.", der dadurch ausgelöst wurde und dem Gefühl von Ohnmacht darunter, so unendlich groß war.



Warum erleben wir eine so enorme Angst in solchen Situationen, in denen wir gar nicht mit dem Leben bedroht sind? Wieso fühlt sich das dennoch so an? Das passt doch hier garnicht hin oder?



Wir übernehmen aus der Kindheit vieles von unseren Eltern, auch Ängste schauen wir uns ab oder wir erleben in der Kindheit eine Situation, in der wir besonders Angst hatten und speichern das für uns so ab. Kinder beziehen oft alles auf sich und so kann eine Situation, wo Du Dich in Deiner Kindheit verlassen gefühlt hast (auch wenn das von Deinen Eltern gar nicht so gewollt war) dazu führen, dass Du diese Angst heute wieder fühlst, wenn Du Dich in irgendeiner Form verlassen oder im Stich gelassen fühlst.


Bei mir gab es eine Situation die sehr prägnant für mich war. Ich war in der 1. oder 2. Klasse, also 6 oder 7 Jahre alt, als ich eines Tages nicht in die Schule wollte. Ich wollte nicht, weil ich gerade Streit mit einer Freundin hatte. Meine Mutter hatte zu der Zeit keinen Nerv für sowas, weil sie selbst gerade Schwierigkeiten mit meinem Vater hatte.

Sie reagierte so heftig, ( Dazu möchte ich sagen, dass das für meine Mutter eher außergewöhnlich war, weil sie ein sehr liebevoller, sanfter Mensch ist, mit unglaublich viel Geduld und Verständnis.) dass sie mir drohte die Polizei zu rufen, die mich zur Schule bringen würden und zerrte mich erst in die Schuhe und dann die Treppen im Flur hinunter, wobei ich mich verbissen und schreiend an das Geländer klammerte. Ein Kampf, den ich verlor...


Sicher ein Bild, dass tausende kennen und heute mit ihren eigenen Kindern erleben oder welches man auch auf der Strasse sogar oft beobachten kann. Für mich hat sich das angefühlt als ob ich verstoßen werde und wertlos bin.


Ich kann mich noch so gut erinnern, wie die kleine Kiki sich auf der Straße zum Haus umgeschaut hat und wusste, dass meine Mutter am Fenster schaute um zu sehen ob ich weiter gehe und ich dachte ernsthaft an Flucht. In der Pause kam meine Mutter um sich zu entschuldigen.


Noch heute kann ich das fühlen, was ich damals gefühlt habe und mich bildlich erinnern.


Diese enorme lebensbedrohliche Angst passt darum heute auf Situationen, die nicht wirklich mit dem Überleben zu tun haben, weil es im System so in der Kindheit abgespeichert wurde.


Als Kind sind wir abhängig von den Eltern. Es ist für uns überlebenswichtig, denn ohne sie könnten wir uns nicht selbst versorgen. Wenn wir also in der Kindheit in so eine, für uns bedrohliche Situation kommen, wo es darum geht, dass wir angst haben nicht gut genug zu sein, weil wir nicht bekommen, was wir gerade brauchen, dann ist das für uns als Kind schnell eine Situation, in der wir glauben jetzt auf uns gestellt zu sein und damit in Überlebensgefahr. Genau diese Angst ist es, die uns dann in heutigen Situationen, die eigentlich nichts mit der Bedrohung von unserem Leben zu tun haben, wieder erscheint.



Wie kann Dir diese Geschichte helfen?



Ich erzähle Dir das, weil ich ich finde, dass Geschichten immer hilfreich sind, um etwas zu verstehen. Und ich finde es hilfreich, wenn wir sehen, dass auch andere genauso wie wir alle diese Geschichten kennen, diese Gefühle erlebt haben und wir dadurch alle verbunden sind. Keiner ist davon ausgenommen. Auch das hilft zu wissen, wenn Du vielleicht gerade irgendwo in einem Konflikt mit Dir steckst und meinst Du bist die/der einzige auf der ganzen Welt, der/dem es so geht. Eine gute Nachricht: Du bist sowas von normal! Und Du bist gut so wie Du bist!


 


Tip für Deine nächste Kommunikation ob mit Dir selbst oder anderen:


Situationen werden von JEDEM unterschiedlich bewertet und empfunden. Von außen kann etwas harmlos auf Dich wirken, was für den anderen wieder ganz anders aussieht. Es hilft grundsätzlich immer nachzufragen wie es dem anderen mit etwas geht und eine Nicht-Wissende-Haltung einzunehmen. Versuche, wenn Du das nächste mal auf jemanden triffst, der Dir ihre/seine Gefühle anvertraut offen und neugierig zu bleiben, was Du hörst. Frage nach: Wie geht es Dir damit? Was macht das mit Dir? Wo hast Du dieses Gefühl in der Vergangenheit schon einmal gefühlt? Was hilft Dir um wieder aus diesem Gefühl heraus zu kommen?



 

Zurück zur Angst...


Genau so, wie das, was ich erlebt habe, wirst auch Du Deine eigene Geschichte aus der Kindheit haben, die mit Angst zu tun hat und mit Schlussfolgerungen, bis ins Heute in dir verankert ist.


Oft hat Angst mit einem Gefühl des Kontrollverlustes zu tun durch Fremdheit, Ungewissheit, Verlassenheit oder die Vorwegnahme von Gefahr. Und das hat mit unserer Informationsverarbeitung zu tun. Die Informationsverarbeitung legen wir uns zu, in der Kindheit, durch die Eltern aber auch später durch die Freunde und die Gesellschaft. All das beeinflusst wie wir etwas einsortieren und ob und ab wann wir uns bedroht fühlen.